Die Kraft der Lili Kohler
Lili Kohler-Burg wurde am 4. Juli 1893 in Schönenwerd in eine wohlhabende
Familie der Firma Bally geboren. Sie genoss eine exzellente Ausbildung und
begann vor dem Ersten Weltkrieg ein Mathematikstudium, das sie jedoch
während der Kriegsjahre aufgeben musste, um – wie viele Frauen ihrer Zeit –
die wehrdienstleistenden Männer zu ersetzen. Als Lehrerin lag ihr besonders
die Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen am Herzen. Unter anderem
setzte sie durch, dass ihre Schülerinnen schwimmen lernten.
Während eines Schulsommerlagers auf dem Bözberg verliebte sich Lili in den
jungen Landwirt Max Kohler. Die beiden heirateten 1932, und Lehrerin Lili
wurde Bäuerin in Linn. Im Austausch mit den anderen Bäuerinnen merkte
sie, wie gross der Bildungsunterschied zwischen ihr und ihren Kolleginnen
war. Das beschäftigte sie, und sie entschloss sich, Abhilfe zu schaffen.
Sie initiierte den ersten Bäuerinnentag im Roten Haus in Brugg. Der Zulauf
war derart gross, dass die Veranstaltung kurzerhand in die Stadtkirche verlegt
werden musste.
40 Jahre lang stand Lili Kohler dem ALFV als Präsidentin vor, danach wurde
sie zur Ehrenpräsidentin ernannt. Auf der Urkunde steht: „Lili Kohler förderte
durch ihren unermüdlichen und klugen Einsatz das Wissen und Können der
Landfrauen und stärkte das Standesbewusstsein der Bäuerinnen.»
So unaufhaltsam wie sich die Wurzeln der mittlerweile 800 Jahre alten Linde
von Linn ganz langsam ihren Weg durchs Erdreich bahnten, so sukzessive
und stark etablierte sich auch das Gedankengut von Lili Kohler in der Landfrauenbewegung.
Aus dem kleinen Linn – gegen viele Widerstände – in die ganze Schweiz hinaus.
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Geschichten & Rezepte aus der Landfrauenagenda 2026 – Woche 1